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Naturerlebnis mit Kick

Golf liegt wieder im Trend. Nach Jahren des Mitglieder- Rückgangs hat die Sportart ihr Image aufpoliert und verjüngt sich. Ein Besuch im Golfpark Leipzig.

Georg Stiegeler stoppt das Golfcart bei seiner Tour durch den Golfpark Leipzig und weist auf einen Graureiher, der am Ufer eines der fünf Teiche steht. Kurz zuvor ist ein Hase durchs Gebüsch gehoppelt. Rehe, Fasane und Rebhühner gibt es ebenfalls auf der 85 Hektar großen Anlage im Norden der Stadt. Auch an einer Imkerstation, wo bis zu 20 Bienenvölker leben, führt unser Weg vorbei.

Stiegeler kennt hier jeden Grashalm, der 55-Jährige ist der Head- Greenkeeper des Golfparks in Leipzig-Seehausen. In sechs Mähstufen halten er und seine Kollegen den Rasen in Schuss. Die auf etwa fünf Millimeter getrimmten sogenannten Grüns rund um die Löcher sind kür- zer und damit hellgrüner als die umliegenden Flächen. Dreimal pro Woche mähen Stiegeler und sein Team, dazu wird der Rasen gebügelt, wie er sagt, also gewalzt, damit die Bälle besser rollen. „Für Leipzig und Seehausen ist der Golfpark eine Bereicherung“, sagt er und betont die nachhaltige Pflege der gesamten Anlage trotz heißer Sommer. Zu Pflanzenschutzmitteln greift er nur im äußersten Notfall.

Zwar liegen die Leipziger Messe und die Autobahn in unmittelbarer Nähe, doch vor allem im hinteren Teil des mit etwa 1.000 Bäumen und vielen Sträuchern bepflanzten leicht hügeligen Areals wähnt man sich inmitten unberührter Natur. Kein Zweifel: Golf ist hier auch ein Naturerlebnis. Auch für Geschäftsführerin Eva Zitzler besteht die Faszination des Golfsports darin, „in der Natur zu sein, oftmals in wunderbar gestalteter. Und sich selbst immer zu testen. Golf geht nur mit hoher Kon- zentration“, betont sie. Für diese konzentrierte Entspannung bietet ein regelrechtes Biotop wie der Golfpark in Seehausen beste Voraussetzungen.

Trotz Regens an diesem Tag sieht man vereinzelte Grüppchen, die ihre Golfbags hinter sich herziehen und an den Bahnen haltmachen. Zehn Kilometer und vier bis fünf Stunden ist man unterwegs, wenn man alle 18 Bahnen spielen will. Natürlich geht es je nach Zeitbudget auch kürzer. Etwa 600 Mitglieder aller Altersklassen gibt es hier im Club. Die 1999 gebaute Anlage ist auch die einzige unter den vier Golfplätzen im Leipziger Raum, die im Stadtgebiet liegt.

Sattes Grün, die Messe in Sichtweite: Der Golfpark bietet Natur und gute Anbindung
– bei der Suche nach Golfbällen begegnet man auch mal einem Igel

„Zentrum des Golfsports in Leipzig“

„Der Golfpark hier in Seehausen ist das Zentrum des Golfsports in Leipzig“, sagt Michael Loddeke. Der 21-Jährige gehört zu den besten Golfern in Mitteldeutschland, entschied sich aber gegen eine Profilaufbahn und für den Job als Trainer im Golfpark. Loddeke hat ein Handicap von +0,6. Das heißt, er benötigt auf einer 18-Loch-Runde im Schnitt 0,6 Schläge weniger als vorgegeben. Anfänger starten mit Handicap 54, brauchen also 54 Schläge mehr als vorgegeben.

Natürlich gibt es auch Wettkampfteams im Club, doch die meisten Spieler, die hier aktiv sind, sind passionierte Hobbyspieler, die ihrem Lieblingssport nachgehen. „Hobbyspieler aller Könnensstufen sind herzlich willkommen, denn auf unserem Platz ist auch immer Gelegenheit für eine entspannte Feierabendrunde“, sagt Eva Zitzler. Der Platz sei sehr sportlich spielbar, biete zugleich aber auch Anfängern eine faire Chance.

Wer nach einem Schnuppertraining oder ersten Versuchen auf der 6-Loch-Kurzbahn Feuer gefangen hat, absolviert bei Trainer Michael Loddeke oder einem seiner Kollegen seine Platzreife. Das hat zum Beispiel auch RB-Leipzig-Trainer Marco Rose im vergangenen Jahr hier gemacht. Einen „Führerschein“ des Golfs, nennt Loddeke die Platzreife. Man lernt zum einen, wie man sich auf einem Golfplatz bewegt und verhält – schließlich fliegen die Bälle hier bis zu 250 Meter weit. Und zum anderen die richtige Technik, wie man die Bälle zum Fliegen bringt. Etwa zwei Spieler pro Woche legen hier ihre Platzreife ab, was 16 bis 18 Stunden in vier bis acht Wochen dauert.

Die Mitgliederzahl in Deutschland generell, aber auch in Seehausen, stagnierte oder sank bis vor einigen Jahren. Doch seit einiger Zeit liegt Golf wieder im Trend. Im Landesverband Sachsen und Thüringen, in dem etwa 12.000 Golfer aktiv sind – etwa 2.000 davon auf den vier Golfplätzen in und um Leipzig –, wuchs deutschlandweit prozentual die Mitgliederschaft am stärksten.

Golf wird immer jünger

Auch junge Menschen greifen öfter zum Schläger: 70 Studenten absolvierten ihre Platzreife kürzlich beim Golfpark Leipzig

Da es Golf zu DDR-Zeiten nicht gab, haben die alten Bundesländer großen Vorsprung, was Anzahl, Mitgliederstärke und Leistungsfähigkeit angeht. In Leipzig aber hat sich Golf mit den vier von insgesamt 21 Plätzen im Landesverband durchaus einen hohen Stellenwert erarbeitet. „Leipzig ist Sportstadt. Und da gehört Golf einfach dazu – vor allem als olympische Sportart“, betont Geschäftsführerin Eva Zitzler. „In den letzten Jahren hat sich vor allem durch den Unisport herauskristallisiert, dass wir immer jünger und sportlicher werden.“

70 Studenten absolvierten hier jüngst ihre Platzreife für den schmalen Kurs von 160 Euro inklusive 16 Einheiten. Auch mit der nahen Grundschule Seehausen gibt es eine Kooperation.

Jahresmitgliedschaft kostet so viel wie eine Woche Skifahren

Viele, die Golf mal ausprobieren, werden dabei auch mit ihren eigenen Vorurteilen konfrontiert. Geschäftsführerin Eva Zitzler sagt: „Es stimmt kein Vorurteil, das pauschal getroffen wird.“ Oft heiße es zum Beispiel, Golf sei teuer. Doch die vollständige Jahresmitgliedschaft von 1.500 Euro entspricht etwa dem Gegenwert einer Woche Skifahren in den Alpen. „Es ist immer eine Frage der Priorität, die man einer Sportart zubilligt“, sagt Zitzler. Wem das zu viel ist, für den gibt es auch andere Modelle wie die Kurzbahn-Berechtigung für 350 Euro jährlich. Trotz der Kostenexplosionen aktuell und 40 Prozent höherer finanzieller Belastung für den Club hat sich der Golfpark entschieden, die Mitglieder nicht weiter zu belasten, sondern andere Einnahmequellen zu suchen. Das gehe jedoch nur mit einem finanzstarken Eigentümer, sagt Zitzler, der sowohl den Golfplatz als auch den direkt daneben liegenden Wohnpark gebaut hat und betreibt.

Ein anderes Vorurteil sei, dass nur die High Society spiele. „Grundfalsch“, sagt Zitzler. „Bei uns im Club haben wir eine sehr gute Mischung aus Selbständigen aus Dienstleistung und Handwerk sowie Angestellten.“ Gerade viele jüngere Mitglieder merkten bei ihren ersten Versuchen: „Golf ist ja gar nicht so elitär, lang- weilig und abgehoben“, sagt Trainer Loddeke. Zudem ist das Publikum auch international. Viele Mitglie- der sind Asiaten, die hier eine große Community bilden. In der Vereinsgastronomie am Clubhaus oder auf den ausgedehnten Runden kommt man miteinander ins Gespräch.

Die erholsame Runde mit Greenkeeper Georg Stiegeler über den Platz geht zu Ende. Über eine Brücke über den mit Schilf umrandeten Mühlgraben, der sich durchs Gelände schlängelt, geht es zurück zum Ausgangspunkt. Die Lust auf Golf hat die Tour schon ganz ohne Ball und Schläger geweckt.

Mehr Infos: www.golfparkleipzig.de

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